The Walking Dead (XBOX 360) - hohe Erwartung und Tränen

Ab und an kam und kommt es vor, dass ich mich mit dem männlichen Geschlecht über xbox Games austausche.
Irgendwann bekam ich auf diesem Wege den Tipp von meinem ehemaligen Klassenkameraden, dass ich unbedingt "The Walking Dead" spielen solle. Er war mit seinen Schwärmereien über dieses Spiel nicht allein, denn wenn jemand dieses Spiel kannte, dann lobte er es regelrecht in den Himmel und noch höher.
Ich hörte Sätze wie "Das beste Spiel, das es gibt" und "Dabei verdrücken selbst Kerle eine Träne".
Man kann sich vielleicht vorstellen wie immens hoch meine Erwartungen an dieses Spiel mit der Zeit wurden. Sie waren mittlerweile so hoch, dass ich dachte ich könnte eigentlich nur enttäuscht werden.
Doch dann kam der Tag als ich mich mit Lee Everett auf die Reise begab.

(Quelle: playnation.de )


Als Spieler findet man sich in der Rolle von Lee, einem ehemaligen Professor, wieder und entscheidet an seiner Stelle über sein Handeln, seine Reaktionen und auch über Wahrheit oder Lüge.
Bereits die erste Szene verdeutlicht Lees schwierige Lage, beschuldigt wegen Mordes und in einem Streifenwagen auf dem Weg ins Gefängnis. Aber es sollte alles noch ganz anders kommen.
Durch einen Unfall gelangt er in die unerwartete Freiheit, die allerdings eine furchtbare Zombie-Seuche für ihn bereithält.
Bei seinem ersten Angriff eines "Walkers" ( das Z-Wort fällt in diesem Spiel glaube ich nie ) bekommt er Hilfe von einem kleinen Mädchen namens Clementine. Mit ihrem Auftauchen beginnt der Ernst der Story und die Übungsstunden sind damit beendet.
Ich möchte euch an dieser Stelle nur noch so viel verraten: Ihr werdet mit Lee und Clementine noch so einigen Personen begegnen und müsst noch die ein oder andere schwere Entscheidung treffen, die maßgeblich den Lauf der Story sowie die Beziehung zu anderen Charakteren beeinflusst.

Bevor ich dieses Spiel begann, habe ich mir absolut nichts zu seinem Inhalt angeschaut, worüber ich im Nachhinein unglaublich froh bin. Denn dieses Unwissen ermöglichte mir nicht nur einige Überraschungen, sonder auch eine unglaublich intensive Spielerfahrung.


( Quelle: oxmonline.com )


Es gibt lediglich zwei Kritikpunkte, auf die ich jeden potentiellen "The Walking Dead-Spieler" vorbereiten möchte. Doch zunächst sollte euch klar sein, dass es sich hierbei um ein klassisches Adventure handelt, bei dem ihr Dialoge führt und die wirkliche Action nur in "Quick-Time-Events" statt findet. Gut, für jeden der weiß was ein Adventure ist, ist dies eine überflüssige Info ;).
Nun aber endlich zu den kleinen Makeln.
An so einigen Stellen ist der Entscheidungszeitraum für eine Antwort, Frage oder Reaktion so unglaublich knapp bemessen, dass man beinah schon die Reflexe eines Vampirs benötigt. Per se ist es nicht schlecht die Zeit für eine Entscheidung so knapp zu halten, um eben nicht zu lange über tausend Konsequenzen nachzudenken die sie nach sich ziehen könnte.
In der Realität hätten wir dafür schließlich auch keine halbe Stunde Zeit, wenn ein Zombie vor uns stehen würde ;). Aber manchmal musste man so schnell das Knöpfchen drücken, da war nicht mal Zeit dafür sich alle Antwortmöglichkeiten durchzulesen.
Ein weiterer, aber nicht ganz so gravierender, Knackpunkt des Spiels ist die Übersetzung. Die Dialoge wurde nicht synchronisiert, was ich schon mal befürworte da die Original Synchro sehr gut umgesetzt wurde. Aber die deutschen teils ziemlich unbeholfen übersetzen Untertitel, haben mich so manches Mal zu einem Augenrollen bewogen. Sorry, einige Sätze hätte selbst ich mit meinem Schulenglisch besser übersetzen können.

Ansonsten hat mich dieses Spiel jedoch so beeindruckt, dass ich diese beiden Kritikpunkte fast schon für nichtig erklären würde.
Ich musste jede Episode durchzocken, egal wie spät es war. Mittendrin aufhören um schlafen zu gehen? Auf keinen Fall. "The Walking Dead" hatte mich so in seinen Bann gezogen, dass ein entkommen unmöglich war.
Sicherlich kann ich noch nicht die längste und erfahrenste Zocker-Karriere vorweisen, aber ich habe noch NIE eine solche Bindung zu Spielcharakteren aufbauen können.
Ich wurde regelrecht eins mit Lee und das obwohl er ein Kerl ist und damit nicht gerade die perfekte Identifikationsfigur, für ein Mädchen wie mich ;) .
Clementine wuchs mir so sehr ans Herz, dass sie stets die erste war die ich fragte ob alles ok sei. Sprach ich über dieses Spiel, erwischte ich mich immer wieder dabei, dass ich Clementine nur noch liebevoll Clem nannte.

( Quelle: giga.de )

Die Macher haben hier ganze Arbeit geleistet und noch mehr, denn meine unglaublich hohen Erwartungen wurden ebenfalls mehr als erfüllt.
Für mich war das alles nicht nur ein Spiel für den Zeitvertreib. Viel mehr war es eine unglaublich emotionale Erfahrung.
Bereits als sich das Ende auch nur ankündigte, flossen die ersten Tränen die sich mit dem wohl besten Song eines Abspanns in wahre Sturzbäche verwandelten.

Ein unglaublich bewegendes Spiel, dass die Dincs fast schon abgöttisch liebt und wohl jedem Adventure-, Zombie- und Walking-Dead- Liebhaber weiterempfehlen würde, obwohl es eigentlich jeder ein mal spielen sollte!
Einer der besten Spieltipps,den ich bisher erhalten habe und den ich nun auch mit euch teile!

Wer von euch hat diese Erfahrung ebenfalls bereits gemacht? Wer denkt darüber nach? Oder wer schaut fleißig die Serie? Oder liest die Comics?
Oder gibt es vielleicht ein anderes Spiel, dass euch ebenso in den Bann gezogen und emotional bewegt hat?


"I will return"
Dincs


Kommentare:

  1. Das Spiel steht auf jeden Fall weit oben auf meiner Liste. Nachdem ich die Serie eher enttäuschend finde, habe ich das oft verschoben. Die positive Kritik häuft sich aber so sehr, dass ich mir das nun doch nicht nehmen lassen werde...

    Was mir besonders gut gefällt ist aber die Tatsache, dass sich so hoch gelobte Spiele-Macher jetzt dran setzen und aus meinem Lieblings-Comic ein Spiel machen =) Grade dafür ist es dann toll, dass sie mit "The Walking Dead" vorher schonmal so punkten konnten ^^

    MfG, Tobias

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  2. Habe es auch schon durch und kann Dincs in allen Punkten zustimmen, auch wenn ich nicht ganz so euphorisch bin. Trotzdem ein sehr starkes Spiel. Aber Telltale ist mittlerweile ohnehin, was früher LucasArts war, nämlich ein Garant für gute bis sehr gute Adventures.
    Emotional bewegt hat mich Bioshock Infinite. Mit Elizabeth hatte ich exakt das gleiche wie Dincs mit Clementine. Selbst die Sache mit der zärtlichen Namensabkürzung kann ich bestätigen. Und als der Abspann lief und ich mit offenem Mund dasaß, hatte ich schon eine Träne im Knopfloch.

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  3. Ich bin froh, dass ich nicht der Einzige bin, der die Übersetzung grottig findet.
    Da war es auch egal, welches Kapitel man spielte. Man konnte als Deutscher wirklich froh sein, dass die Sprecher recht gut waren, sonst hätte ich an manchen Stellen vielleicht das falsche geklickt. Rechtschreibfehler, Umgangssprache etc. hätte ich noch verkraften können, aber wenn die Sätze im deutschen absolut keinen Sinn ergeben, muss das doch dem Übersetzer auffallen.

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    1. Also SO schlimm habe ich es eigentlich nie empfunden. Wo war es denn so extrem, dass das Deutsche keinen Sinn mehr ergeben hat?

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    2. Kann ich nicht mehr genau sagen. Ich weiß nur, dass ich teilweise Dialoge ausgewählt habe, die in der deutschen Übersetzung ganz anders rüber kamen.
      Auch wurde häufig 1:1 übersetzt ohne auf den Kontext Bezug zu nehmen. "Come on " wurde z.B. immer mit "Los jetzt" übersetzt anstatt mit "Mach keine Witze"

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